Es ist warm und fast windstill, an diesem Morgen im August. Das Gefühl, dem wolkenfreien Großglockner auf Augenhöhe gegenüber zu stehen, ist ebenso lässig wie der gewaltige Rundumblick. Wir befinden uns am Fuscherkarkopf, mitten in den Hohen Tauern und genießen nicht nur unser Wetterglück. Auch das Gipfelkreuz scheint sich über etwas Gesellschaft zu freuen, denn der 3331 m hohe Berg ist einer der Kärntner Dreitausender, die kaum frequentiert sind. „Mit dem Wetter ist es in höheren alpinen Lagen generell und speziell in den Hohen Tauern so eine Sache. Schlechtwetterfronten nähern sich meist blitzschnell und ein Gewitter kann über Nacht im Sommerhalbjahr tiefwinterliche Verhältnisse schaffen“, weiß Bergführer Sepp Egarter von der Alpinschule 4 Jahreszeiten. „Insgesamt sind die Anforderungen, einen Dreitausender zu besteigen, deutlich höher als bei den meisten Touren in niedrigeren Lagen. Das betrifft die zu bewältigenden Höhenmeter, die oft sehr langen Wegstrecken, aber auch das alpine Mixed-Gelände (Fels, Eis, Schnee, Schneefelder, Gletscher)“, betont der Doyen der Kärntner Bergführer. Aufgrund der anspruchsvollen Verhältnisse sollte man viel Erfahrung haben oder mit routinierten Begleitern, etwa bei Touren Alpiner Vereine, unterwegs sein. Wer auf Nummer sicher gehen will, engagiert einen Bergführer. „Mit Führer unterwegs zu sein, hat den Vorteil, dass man während der Tour viel lernen und abschauen kann“, betont Michi Ibovnik vom Villacher Bergsportshop Korak.

DIE EXPERTEN

„Ein Gewitter kann über Nacht tiefwinterliche Verhältnisse schaffen.“

Sepp Egarter, Alpinschule 4 Jahreszeiten, www.bergbewegt.at

„Gute Kondition ist Voraussetzung. Die Unfallhäufigkeit steigt, je müder man ist.“

Michi Ibovnik, Bergsport Korak in Villach, www.bergsport-korak.at

Kondition und Ausrüstung

„Eine solide Kondition ist Voraussetzung für Dreitausender-Touren, auch weil die Unfallhäufigkeit steigt, je müder man ist. Sie lässt sich bei regelmäßigen Trainingstouren, etwa via Hüttersteig auf die Gerlitzen Alpe, trainieren“, rät Ibovnik. Was die Ausrüstung betrifft, gibt es Basics, die man bei jeder Tour mithaben sollte. „Jedenfalls wichtig sind eingetragene bedingt-steigeisenfeste Bergschuhe. Ob man Steigeisen und Pickel oder Klettersteigausrüstung o.ä. braucht, hängt von der Tour ab. Was nötig ist, gilt es während der Tourenvorbereitung zu checken“, betont Bergsportspezialist Ibovnik.

EXPERTENTIPPS

 

In manchen Beschreibungen ist von „leichten“ oder von „Einstiegs-„Dreitausendern o.ä. die Rede. Unerfahrene interpretieren das meist falsch. Denn jede Dreitausender-Tour ist ein alpines Projekt. Damit verbunden sind deutlich mehr mögliche Gefahren und Risiken. Auch die Anforderungen an Kondition und alpine Erfahrung sowie individuelles bergsteigerisches Können sind deutlich höher. Zentral sind:

Kondition
Tausend und mehr Höhenmeter am Stück sollte man problemlos bergauf und auch wieder bergab schaffen.

Trittsicherheit
In jeder Art von alpinem Gelände (Fels, Geröll, Steilgelände, erdigen Passagen …) sollte man sicher unterwegs sein können.

Klettern
Praktisch alle Dreitausender-Touren führen ins steile Felsgelände. Im Fels ungesichert klettern zu können ist wichtig. Ebenso zentral ist, sich sicher im Bereich seilversicherter Passagen bzw. Leitern bewegen zu können.

Schwindelfreiheit
Schmale Steige und Pfade im Steilgelände, Wegstücke auf denen es rechts und links viele Hundertmeter in die Tiefe geht, sowie der stressfreie Umgang mit Tiefblicken sind unabdingbar.

Tourenplanung
Bereits Tage vor einer Tour sollte man zu planen beginnen. Dazu gehören u.a. Wetterchecks, Ausrüstungsbedarf, Checks der Schwierigkeit der Tour im Detail und ob die geplante Route überhaupt „offen“ ist sowie das sondieren möglicher Alternativen.

Nie alleine
Bei Berg- und vor allem bei Dreitausender-Touren sollte man keinesfalls alleine unterwegs sein. Weniger Erfahrene sollten auf Nummer sicher gehen und einen staatlich geprüften Bergführer engagieren.

AUSRÜSTUNG

 

Nicht nur beim Können, sondern auch bei der Ausrüstung haben Dreitausender-Touren andere Anforderungen als gemütliche Wanderungen. Wichtig ist, die Ausrüstung nicht nur mit dabei zu haben, sondern sie auch einsetzen zu können, ehe man Richtung Dreitausender aufbricht.

Immer empfohlen:

Schuhwerk
Bedingt steigeisenfeste Bergschuhe (eingetragen!). Überdies hat es sich bewährt, Wechsel-Socken mit zu haben

Kleidung und Wechselkleidung
Die Temperaturen in alpinen Höhen sind deutlich niedriger als in Talnähe. Deshalb sind entsprechende Kleidung und die Möglichkeit, diese wechseln zu können, wichtig

Isolations- und Regenjacke
Kälte- und Regenschutz, der automatisch auch Windschutz ist, sind unabdingbar

Sonnenschutz
Stärkere Sonnenstrahlung in der Höhe! Sonnencreme, Sonnenbrille sowie Kappe bzw. Schlauchtuch sind ratsam

Rucksack
Klettertauglich schlank, ohne abstehende Riemen, Taschen usw. soll der Rucksack sein. Er soll groß, aber auch nicht zu groß, jedenfalls komprimierbar sein. Helm und Stöcke sollten fixiert bzw. verstaut werden können

Teleskop-Bergstöcke
Stöcke sind bergauf (Schub) und bergab (Stabilität & Gelenkschonung) ratsam. Sie müssen zusammenschieb- bzw. faltbar sein, um sie bei Kletterstellen zu verstauen

Sicherheitsausrüstung und Biwaksack
Erste Hilfe Set usw. sind Pflicht!

Haube und Handschuhe
Zum Schutz vor Wind und Kälte

Ausreichend Verpflegung & Getränke
Man darf nicht davon ausgehen, dass es Einkehrhütten o.ä. gibt

Je nach Tour (siehe Tourenplanung) empfohlen:

Kletterhelm
Im Steilgelände ist Steinschlagschutz wichtig

Klettersteigausrüstung
Weist die Tour Klettersteiganteile auf, ist sie unabdingbar

Steigeisen & Eispickel
Schneefelder bzw. Gletscherpassagen erfordern entsprechende Ausrüstung

Kärntner Dreitausender

 

87 Berge mit Gipfeln über 3000 Meter Höhe gibt es in Kärnten. Sie alle befinden sich im Bezirk Spittal/Drau. Neben stark frequentierten „Modebergen“ gibt es zahlreiche nicht minder prächtige, auf denen man, wenn überhaupt, nur wenigen Bergfexen begegnet.

  • Großer Sonnblick (3030 m), nicht zu verwechseln mit dem Hohen Sonnblick. Auf-/Abstieg von der Gmünder Hütte aus
  • Großer Hafner (3076 m) & Kleiner Hafner (3016 m). Ab Kölnbreinsperre via Kattowitzer Hütte
  • Säuleck (3086 m) aus Mallnitz via Arthur-von-Schmid-Haus
  • Keeskopf (3081 m) via Gradental, Gradenseen und Nossberger-Hütte
  • Ankogel (3252 m) & Kleiner Ankogel (3096 m) ab Bergstation der Ankogel-Bergbahnen
  • Fuscherkarkopf (3331 m) ab Kaiser-Franz-Josefs-Höhe via Gamsgrubenweg
  • Hochalmspitze (3360 m) u.a. via Gießener Hütte
  • Großglockner (3798 m) mehrere Auf-/Abstiegswege von Kärnten bzw. Osttirol aus

Quellen: Liste der Dreitausender in Kärnten (Wikipedia) | Alpenvereinaktiv.com

PRODUKT-TIPPS

 

BERGSCHUHE

Als „Schnittstelle“ zwischen uns und dem Berg sind Schuhe bei Dreitausender-Touren ein zentraler Teil der Ausrüstung. Sie müssen sehr gut passen und eingetragen sein. (Bedingt) Steigeisenfest und damit verbunden große Robustheit und Stabilität sind unabdingbar. Für Touren mit hohem Fels- und Kletteranteil ideal ist der neue Trango Alpine GTX (€ 370,–) von LA SPORTIVA. Im Test herausragend und auf langen Wegstrecken angenehm zu tragen sind die Aequilibrium-Modelle (LT GTX in Leder € 350,– bzw. ST GTX in Nylon € 330,–).
www.lasportiva.com

RUCKSÄCKE

Größenflexibel, weil komprimierbar, verschiedenste Befestigungsmöglichkeiten (Helm, Pickel usw.), schlank ausgeführt, trinkblasenkompatibel und wasserdicht, damit man keine Regenhülle benötigt, ist der ideale 3000-er Rucksack. Bei zahlreichen (Test-)Touren hat das bequem am Rücken aufliegende Ganzjahresmodell Serac (€ 300,– bis € 330,–) von EXPED all diese Vorgaben bestens erfüllt. Zur Wahl stehen drei Größen (30, 40 und 50 Liter).
www.exped.com

BERGSTÖCKE

Robust, bequemer Griff samt guter Abstützmöglichkeit für den Abstieg, leicht, zusammenschieb- bzw. faltbar, um sie in Kletterpassagen am bzw. im Rucksack verstauen zu können, sollten Dreitausender-Bergstöcke sein. All diese Kriterien mustergültig erfüllen zwei Modelle von KOMPERDELL, der Carbon Ultra Zero (zusammenschiebbar) € 189,95 und der FX L Carb Vario Summit (faltbar) € 179,95. Beide sind mit genialen Korkgriffen ausgeführt, die selbst wenn es sehr schweißtreibend oder kalt ist, angenehm anzugreifen sind.
www.komperdell.com

KLETTERHELME

Wird das Gelände sehr steil und sind Kletter- bzw. Klettersteigpassagen zu bewältigen, ist das Tragen eines Helmes ratsam. Steinschlagschutz ist seine Hauptfunktion. Leicht und größenverstellbar sind alle modernen Kletterhelme. Entscheidend ist, wie harmonisch Kopf und Helm „zusammenpassen“. Neu, superleicht, angenehm belüftet, im Test sehr bequem zu tragen ist der neue IKON Helm (€ 64,95) von CAMP. Das Damenmodell heißt IKON NOVA.
www.camp.it

KLETTERGURTE

Um sich in schwierigen Geh- sowie in Kletterpassagen zu sichern und in Klettersteigen das Klettersteigset fixieren zu können, braucht es einen bequemen, exakt passenden Klettergurt. Der muss, weil er lange Zeit nur „mitgetragen“ wird, leicht und klein im Packmaß sein. Mit dem neuen NXT Klettergurt (€ 150,–) bietet SALEWA ein im Test perfektes Universalmodell. Wer es puristischer und leichter will, wählt den eigens für Alpintouren gemachten, neuen NXT Light Klettergurt (€ 80,–).
www.salewa.com

SPORTBRILLEN

In alpinen Höhen ist die Sonnenstrahlung sehr intensiv. Deshalb ist Augenschutz wichtig. Berg-Sonnenbrillen sollten leicht sein, bestens passen, auch wenn man einen Helm trägt und sich, dank Variogläsern, der Strahlungsintensität anpassen. Und gut belüftet, auch bei geringer Geschwindigkeit sollten sie sein. „Coole“ Modelle mit übergroßen Scheiben sind daher nicht ideal. Beste Testerfahrungen haben wir mit den „elate“-Modellen (ab € 215,–) von EVIL EYE gemacht. Ihrer Pass- und Glasform sowie ihrer Belüftung wegen und weil es spezielle Bergsteigermodelle (elate.o pro und elate extreme) gibt.
www.evileye.com