Franzi heißt unser Domizil in steiler Hanglage mitten im Zirbenwald. Wir fühlen uns wie in einem Baumhaus, in dem sanften Koloss aus Holz, Stahl und anthrazit-eingefärbtem Beton. Zum Greifen nahe sind mächtige Bäume. Diese Zirben stehen hier auf der Turracher Höhe sicher schon seit mehr als hundert Jahren. „Es war uns wichtig, den Wald zu erhalten. Deshalb haben wir in die Höhe gebaut“, verrät Hausherr Robert Hollmann, der ehemalige Schauspieler, der bereits mit Hollmanns Beletage in Wien von sich reden machte. Mit Franzi, Luki und Toni hat er aus dem Rahmen fallende Hütten, benannt nach seinen Kindern, geschaffen. Ihre Lage ist genial: Völlig privat und abseits im Wald, trotzdem zentral. Zur Talstation der Panoramabahn etwa braucht man ab Hüttentür kaum fünf Minuten. Aus Franzis Wohnküche mit Fenstern in alle Himmelsrichtungen sind es wenige Schritte zum großen Esstisch unter freiem Himmel. Hier im Wald frühstücken wir an diesem warmen Sommermorgen. Nur Astrid und ich, die Zirben und fröhliches Vogelgezwitscher. Wir könnten die nächsten Tage einfach nur genüsslich wohnen, schlafen, saunieren, kochen und im „eigenen“ Wald entspannen. Franzi bietet übrigens bis zu vier Schlafzimmer, drei Bäder und WCs, eine Sauna mit Wald-Panoramafenster, Frischluftbalkon und Dusche im Freien. Und besagte urig-moderne Wohnküche mit Holzherd und Emailgeschirr wie früher in Omas Almhütte, in Kombination mit moderner, überkompletter Küchenausstattung. „Wir könnten aber auch eine Wanderung machen, etwa am 3-Seen-Weg“, unterbricht Astrid unsere Frühstücksromantik.

BILDERGALERIE – Hollmann Turracher Höhe | alle Fotos: Hollmann

 

Berg-Erleben

Der beschauliche 3-Seen Weg führt rund um den Turracher See und weiter über ein Hochmoor zum Schwarzsee, dem völlig naturbelassenen und höchstgelegenen der drei Seen. An seinem nördlichen Ufer, etwas versteckt, gibt es Spuren des historischen Bergbaus zu entdecken. Wer mehr wissen will, besucht das Montanmuseum in Turrach. „1863 befand sich die erste Stahlgewinnung am europäischen Festland, hier bei uns“, erzählt Sonja Glintschnig, die mit ihrem Mann ehrenamtlich durch das Museum führt. Am Schwarzsee entlang geht es über Almen und durch Zirbenwald zum Grünsee, den kleinsten der drei Seen. Hier erwartet uns die älteste aller Einkehrhütten der Region – die Karlhütte. „Wir kochen auf einem alten, holzbefeuerten Herd“, begrüßt uns Sandra, die Tochter von Sepp, dem Hüttenwirt. Gestärkt geht es am Grünsee entlang zurück zum Turracher See. Fast schon dort, entdecken wir ein schmales Steiglein im Wald. Es führt zu einem Juwel im funkelndsten Sinn des Wortes: „Mythos Edelstein – Kranzelbinder“ lesen wir. Hier ist die Mineralien- & Edelsteindynastie verwurzelt, die selbst André Heller schwärmen ließ: „Was Coco Chanel für die Mode und Luciano Pavarotti für den Gesang, sind die Kranzelbinders für erlesene und Staunen machende Edelsteine.“ Museum, Shop und Kinderspielbereich werden in dritter Generation von den Geschwistern Elisabeth und Michael geleitet. Im Vorbeigehen bewundern wir die mannshohen, im Freien stehenden Riesenbergkristalle.

„Jetzt könnten wir noch mit der Panoramabahn hinauf auf 2.000 m fahren“, höre ich die nimmermüde Astrid sagen. Oben bei der Bergstation der Seilbahn befinden sich Nocky’s AlmZeit, eine abwechslungsreiche Wasser- und Geschicklichkeits-Spiel- & Erlebniswelt für Kinder, der Start der spektakulären Sommerrodelbahn Nocky Flitzer, mit der man durch den Zirbenwald talwärts „donnern“ kann und die AlmZeit Hütte. „Wir legen größten Wert auf selbst Gemachtes, etwa Kaspressknödel, Strudel und Kuchen oder Enzian- und Zirbenschnaps“, begrüßt uns Wirt Georg Mathiesl.

Wer will, kann ab Bergstation zu Wanderungen aufbrechen. Etwa am Barbaraweg, zum Aussichtspunkt 3-Seen-Blick und vorbei an anderen Spuren des historischen Bergbaus in der Kormulde, zurück zum Turracher See. Oder auf den Kornock, wo Biker zu Flowtrail-Abenteuern starten. Die Turracher Höhe hat sich, dank attraktiver Bike-Strecken, zu einem Geheimtipp für Biker, E-Mountainbikestrecken inklusive, entwickelt.

Wessen Passion das Wandern ist, der bemerkt schnell, welch begnadeten Ausgangspunkt für Touren von gemütlich bis anspruchsvoll das 3-Seen-Hochplateau darstellt. Die zwei Hausberge sollte man sich nicht entgehen lassen: Den Schoberriegel im Osten und den westlich gelegenen Rinsennock. Er ist der höchste der Turracher-Berge, und gut am Barbaraweg via Kormulde erwanderbar. Am Gipfel liegen uns die Nockberge zu Füßen. So auch die Must-See-Hotspots der Umgebung: Etwa die Nockalmstraße durch den Biosphärenpark. 34 Kilometer und über 50 Reidn genannte Kurven lang. Sie ist gespickt mit Attraktionen, etwa dem Karlbad, einem historischen Bauernbad oder der Tangerner Hütte als Kurzwander-& Einkehrziel.

Oder in südlicher Richtung der Falkert mit lieblichem See, Heidi-Alm Erlebnispark, Wandermöglichkeiten und zwei Klettersteigen. Und im Osten die Hochrindl, ein Alm- & Familienidyll. Nördlich des Turracher Sees erblicken wir das Marktlköpfl, einen Fixpunkt für Kunstfans. „art.1800“ heißt die aus Bronzeskulpturen bestehende Installation, die, so Initiator und Kunstliebhaber Leopold Gartler, statt eines Gipfelkreuzes geschaffen wurde. Steht man „oben“ fühlt man sich in die Runde der stillen Riesen herzlich aufgenommen.

 

Quartier-Vielfalt

Bei der Auswahl der Unterkunft kann man aus dem Vollen schöpfen. Neben Robert Hollmanns extravaganten „Wald-Türmen“ gibt es hunderte von Selbstversorger-Hütten, oft ganze Hüttendörfer, teils schick und stylisch, teils einfach, manche in Prachtlage. Aber auch einen Campingplatz, Appartementhäuser sowie Pensionen, Gasthöfe und 3-Sterne-Hotels. Zwei davon, die Alpenrose und die Nockalm gefallen uns besonders gut. Die Alpenrose, oberhalb des Sees etwas abseits gelegen, überzeugt mit sympathischen, soliden Zimmern und von Chef Peter Pichler zelebrierter Kulinarik. Die Nockalm, geführt von Peters Schwester Heidi, liegt mitten im Geschehen, neben der Panoramabahn. Modern-gemütliche (Zirben-)Zimmer, etwas Wellness und Masseur Hüseyins unglaublich wohltuende Behandlungen machen die Nockalm aus.

Von den Hotels stechen zwei hervor. Das legendäre Hochschober. Es gilt als Wellnesspionier und Fixstern am alpinen Hotelhimmel. Das 1929 eröffnete Haus ist mondän, hochwertig und sehr durchdacht. Es begeistert mit Highlights wie dem SeeBad. Schwimmen im warmen Wasser im ansonsten eiskalten Turracher See ist ein Erlebnis, Nervenkitzel inklusive, immerhin schwimmt man in einem nach unten offenen Becken, in dem tiefen, dunklen See. Ebenso einzigartig sind der Chinaturm samt authentischem Teehaus und das Hamam, in dem man sich von einem Schritt auf den anderen fühlt, als wäre man in einem Wellnesstempel im Orient. Geleitet wird das edle Haus in dritter Generation vom Ehepaar Karin Leeb und Martin Klein.

BILDERGALERIE – Hotel Hochschober | alle Fotos: Hochschober

 

Der Senkrechtstarter unter den Hotels am Berg ist das Kornock. Stylische Zimmer, solider Wellnessbereich sowie Sandra und Rudi Strablegg als sympathisch-hilfsbereite Gastgeber zeichnen das modern-alpine Haus aus. Die im Kornock gebotene Kulinarik, wie auch die der hoteleigenen K-Alm, zieht Genuss-Fans an. Naheliegend, dass wir am Abend die urige K-Alm ansteuern. Nach einer feinen, ausgewogen gewürzten veganen Tomatensuppe wählen wir das K-Alm-Pfandl für Zwei. Schnitzel, Würstchen und Ripperln sind zum Niederknien gut. Danach gönnen wir uns noch einen Zirbenlikör-Eisbecher als interessant-süßen Abschluss.

BILDERGALERIE – Hotel Kornock & K-Alm | alle Fotos: Kornock

 

Neben der K-Alm gibt es trotz der vielen Selbstversorgerhütten wenige À-la-carte-Abendessensmöglichkeiten. Eine davon ist die Alpenrose. Chef und Kochkünstler Peter Pichler zündet – vorausgesetzt man hat reserviert – Genuss-Feuerwerke. Wer aus über 70 Kärntner Weinen, mehr gibt es nirgendwo, wählen möchte und dazu von Haubenkoch und Koch des Jahres 2020 Hubert Wallner kreierte Almgasthof-Küche genießen will, steuert den Gasthof Sternenberg auf der nahen Hochrindl an. Wer im Selbstversorger-Quartier auf eigene Kochfähigkeiten setzt, muss wissen – einfach im Supermarkt nebenan einkaufen, ist auf der Turracher Höhe nicht möglich. Es gibt nur die Bäckerei Stocklauser mit begeisternd gutem Sauerteigbrot, einen kleinen Genuss-Laden und mehrere 24/7-Selbstbedienungsautomaten. Supermärkte befinden sich im Tal. Etwa der Spar-Markt in Ebene Reichenau, geleitet von Weinexpertin Ulrike Maierbrugger, die auch Lieferservice anbietet. Oder man bricht zu einer Genuss-Einkaufsrunde per Auto auf. Am Weg ins Tal führt uns das Navi zu Bergbauer Hans Peter Huber nach Saureggen. Er war 2009 der erste Kärntner Eisbauer und produziert seit 2018 Zirben-Gin (Mitzii Gin). Im Tal können wir was regionale Lebensmittelproduzenten betrifft aus dem Vollen schöpfen. Von Gebirgssaiblingen über Nockberge Honig lässt sich auf der Strecke bis ins nahe Feldkirchen ab Hof – von Milch, Eiern, Bauernbrot, Käse, Fleisch u.v.m. – alles zusammentragen, was kulinarisch einen Bergurlaub ausmacht. Das hat seinen Reiz und sorgte dafür, dass unsere Tage auf der Turracher Höhe noch bunter waren.

Info: Turracher Höhe

Die Turracher Höhe – alle Fakten als PDF zum Download

 

Tourismusinfo: Turracher Höhe – Tourismusbüro

Turracher Höhe 178, (+43 4275) 83920, www.turracherhoehe.at

 

Butler-Card & -Programm

Turracher Höhe Butler-Card: Kostenlos in vielen Quartieren. Inklusive: Panoramabahn und Kornockbahn, Sommerrodelbahn Nocky Flitzer (10.00 – 11.30 Uhr), Sonnenaufgangs- oder Morgenwanderung mit Frühstück, Bogenschießen, Barfuß-Wandern, Führung im Museum „Mythos Edelstein“ u.ä.

 

Allgemein

Die Turracher Höhe (1.763 m) in den Nockbergen, ist ein Berg-See-Plateau zwischen Kärnten und der Steiermark. 3 Bergseen (Turracher See, Schwarzsee, Grünsee). 2 Sommerbergbahnen. Gemütliche Wege, etwa der 3-Seen-Weg. Viele Touren von leicht bis fordernd. Klettersteige (Falkert & Predlitz). Mountainbike-Angebot. Österreichs größte Zirbenwälder.
REISEZEIT – Sommer: Anfang Juni bis Ende Oktober | Winter: Anfang Dezember bis nach Ostern

 

Bücher, Karten, Apps

Die Turracher Höhe: Auf den Spuren der Zeit.
Facettenreiches Portrait der Turracher Höhe und der umliegenden Region inklusive Tipps für Geo-Wanderungen. Interessant, informativ und gut lesbar. Heyn, 2003, 23,- €. www.verlagheyn.at

Geologische Spaziergänge: Feuer und Eis – Geotrail-Erlebniswege Turracher Höhe.
Informatives Buch zur geologischen Geschichte der Turracher Höhe mit fünf geologischen Wandertipps. Geologische Bundesanstalt, 2019, 15,- €. www.freytagberndt.com

Rother Bergverlag
Wanderführer Nockberge: Biosphärenpark – Gurktaler Alpen – Maltatal. 56 Touren, fünf davon mit Ausgangspunkt Turracher Höhe, 2021.15,40 €
Nockalmstraße: Die schönsten Wanderungen und Bergtouren. Die 34 Kilometer lange Straße ist der perfekte Ausgangspunkt für Touren. 31 werden beschrieben, 2019. 17,40 €
Rother-Touren-App: Seit Sommer 2022 neue App mit ausschließlich professionell recherchierten Touren aus den Rother Wanderführern/-büchern. 2,50 € pro Monat.
www.rother.de

Kompass Wanderkarten
063 Bad Kleinkirchheim,
Biosphärenpark Kärntner Nockberge 1:25000. 11,95 €
66 Biosphärenpark Kärntner Nockberge, Liesertal 1:50000. 11,99 €
www.kompass.de

Freytag & Berndt
WK 222 Bad Kleinkirchheim,
Biosphärenpark Nockberge, Millstätter See, Turracher Höhe, Radenthein 1:50000. 11,90 €. www.freytagberndt.com

Outdooractive
Hervorragende App mit vielfältigem Kartenmaterial, Planungsfunktion, Tourenvorschlägen auch zur Turracher Höhe u.v.m. Basis gratis. Pro bzw. Pro+ Version ab 2,50 € pro Monat.
www.outdooractive.com

 

Turracher Höhe – alle Infos & Fakten – umfassend und im Detail – als PDF