Wer gehen kann, kann auch Schneeschuhwandern“, lautet eine alte Bergführerweisheit. Soll heißen, der Umstieg vom Wandern bzw. Bergsteigen und Skitourengehen ist leicht. Größer ist die mentale Schwelle, als passionierter Skitourengeher zu Schneeschuhen zu greifen, weil Schneeschuhtouren ja bekanntlich keinen (Tiefschnee-)Abfahrtsspaß bieten. Trotzdem sollte man sich einen Ruck geben und es einfach einmal professionell vorbereitet ausprobieren!
Auch wenn es recht leicht erscheint, sollte die erste Schneeschuhrunde primär dem Probieren und der Eingewöhnung dienen. Dabei wichtig ist modellabhängiges, teils nötiges Voreinstellen der Schneeschuh-Bindung entsprechend der Schuhgröße vorzunehmen, bevor es nach draußen geht. Jedenfalls müssen das gekonnte am Fuß Fixieren und wieder Abnehmen der Schneeschuhe ebenso wie die Schrittführung (etwas breiter, nicht zu groß, nicht rückwärts) automatisiert werden. Ebenfalls ratsam ist, das Befestigen der Schneeschuhe am Rucksack und das wieder Lösen bereits indoor auszuprobieren.
Passende Schneeschuhe & mehr
Schneeschuh ist nicht gleich Schneeschuh. Viele Diskontmodelle und so manches in die Jahre gekommene Verleihmodell sind Spaßbremsen. Deshalb gilt, wer vor hat, im unverspurten Tiefschnee sowie im Steilgelände unterwegs zu sein, sollte auf robuste, mit massiven Metallzacken bzw. gezackten Profilen und/oder Stahlspitzen an der Unterseite ausgeführte Modelle zurückgreifen. Die Schneeschuhe sollten was ihre Gesamtfläche betrifft, nicht zu groß gewählt werden, weil sehr große Modelle speziell breitbeiniges Gehen erfordern und sich durch ihre Größe die Stolpergefahr erhöht. Um die 22 Zoll für leichtere und um die 25 Zoll für schwerere Personen gelten als Richtwerte.
Zu den weiteren Basics, die bei Skitourengehern ohnedies vorhanden sind, gehören längenverstellbare Stöcke – unbedingt – mit großen Schneetellern, die weites Einsinken im Tiefschnee verhindern. Nässeunempfindliche, halbhohe (Berg-)Schuhe mit fester Sohle sind ebenso wichtig wie Gamaschen (in die Hose integriert oder extra), um das Eindringen von Schnee am unteren Hosenende zu verhindern. Ratsam ist ein Rucksack, der eine bequeme Fixiermöglichkeit der Schneeschuhe, bevorzugt an der Außenseite und nicht seitlich, ermöglicht.
Speziell zu bedenken
Der Reiz des Schneeschuhwanderns liegt darin, wie beim Skitourengehen auch, im tiefen, nicht oder wenig verspurten Schnee unterwegs zu sein. Das bedeutet, dass man sich im freien, ungesicherten Gelände bewegt. Gewissenhafte Tourenplanung ist daher Pflicht. Ebenso wie, sobald es ein Lawinen-Restrisiko gibt, das Dabeihaben der kompletten Lawinen-Sicherheitsausrüstung. Wobei zu bedenken ist, dass man sich im (Lawinen-)Notfall mit Schneeschuhen viel weniger schnell bewegen kann und sich Schneeschuhe im Gegensatz zu den Tourenski, wenn man in eine Lawine geraten würde, nicht von den Füßen lösen. Genau genommen gilt deshalb – auf Schneeschuhtouren sind Lawinenrisiken möglichst gänzlich auszuschließen. Auch wenn man mit Schneeschuhen unterwegs ist, gilt es Rücksicht auf Wildtiere und deren Schutz- bzw. Ruhezonen sowie auf Waldschutzzonen zu nehmen.
Richtige Ausrüstung für mehr Spaß und Sicherheit
Obwohl Schneeschuhgehen neben den Schneeschuhen kaum spezielle Ausrüstung erfordert, ist es empfehlenswert, sich vorab der gesamten erforderlichen Ausrüstung zu widmen. Das minimiert die Frust-Gefahr und sorgt im Idealfall vom ersten Mal an für viel Spaß. So sollten Schneeschuhe etwa vor dem Kauf ausprobiert werden, denn nicht jeder kommt mit jedem Modell gleich gut zurecht. Auch, dass ihre Auflageflächen, wie bereits erwähnt, nicht zu klein, aber auch nicht zu groß sein sollten, gilt es zu bedenken. Punkto Bekleidung ist man ähnlich angezogen wie auf Skitour bestens gerüstet. Jedenfalls mit dabei müssen ein Erste-Hilfe-Set, ein leichter Biwaksack, eine Stirnlampe, weil die Tage im Winter sehr kurz sind, ein geladenes Smartphone und Kartenmaterial (digital inklusive Offline-Karten und/oder print) sein. Entsprechend gerüstet hat Schneeschuhwandern das Zeug dazu, eine lässige Alternative zu sein, wenn keine Skitouren möglich sind.
PRODUKT-TIPPS
I. SCHNEESCHUHE
Die Auswahl ist enorm. Die Preisspanne groß. Sechs herausragende Schneeschuhmodelle, die es für Damen- & Herren in mehreren Längen gibt, haben wir getestet:
Vollends überzeugt haben die robusten Tubbs Kunststoff-Schneeschuhe. Lange gezackte Stahlschienen unten, Stahlspitzen hinten und große Zacken an der Bindung. Zwei Bindungssysteme: Boa-Drehverschluss bzw. einfaches Rechts-Links-Zugsystem.
TUBBS – Flex VRT (Boa) € 320,– | Flex ALP € 290,–
www.kochalpin.at
Ein super-robustes und ein super-leichtes Modell, beide mit Boa-Bindung, bietet Atlas. Robust: Steifer Alurahmen (Kunststoffbespannung), seitlich & an der Spitze gezackt. Leicht: Kunststoff mit robusten, gezackten Aluschienen, die Halt geben.
ATLAS – Range MTN (robust) € 330,– | Helium MTN (Kunststoff) € 295,–
www.kochalpin.at
Ein Rahmen-Bindungssystem, das der Sohlenlänge entsprechend voreingestellt werden muss und mit Boa-Verschluss (Instinct) steuerbar ist, verbaut in zwei Kunststoffmodelle, bietet TSL. Ein Steiferes – top im Gelände (Highlander). Und ein Flexibles – sehr komfortabel auf härterem Schnee und wenn man auf Winterwanderwegen mit Schneeschuhen unterwegs sein will. Im weichen, tiefen Schnee waren die Symbioz Hyperflex im Test nicht ganz ideal.
TSL – Highlander Instinct (steifer) € 310,– | Symbioz Hyperflex Instinct (flexibler) € 340,–
www.tsloutdoor.com
II. SPIKES
Spikes sind ratsame Begleiter auch bei Schneeschuhtouren, nämlich immer dann, wenn es darum geht, längere, steiler eisig-harte Wegstrecken sicherer als mit Schneeschuhen zu bewältigen. Dafür ideal sind die leicht & klein packbaren Snowline Light-Spikes (12 mm Zacken, bequem überziehbar).
SNOWLINE – Spikes Light € 55,–
www.snowlinespikes.com
III. SCHUHE FÜR SCHNEESCHUHTOUREN
Für Schneeschuhtouren sind im Sommer verwendete, feste, halbhohe, wasserfeste Bergschuhe mit robuster, im Schnee verlässlich Halt gebender Sohle, ebenso bestens geeignet, wie steigeisenfeste, hochtourentaugliche Bergschuhe. Wer lieber auf spezielle Wintermodelle zurückgreift, dem sind zwei beispielhaft empfohlen:
Ein guter, komfortabler Winterschuh mit besonders griffiger, rutschhemmender Sohle ist der warme, multifunktionale, wasserdichte (Gore-Tex) Renegade Ice von Lowa.
LOWA – Renegade EVO Ice € 270,–
www.lowa.com
Gemacht für Wintereinsätze (Wandern, Schneeschuhe) ist die Polar-Version des Rush von Scarpa. Er ist warm (Primaloft), komfortabel, wasserfest (Gore-Tex) und robust.
SCARPA – Rush Polar GTX € 259,–
www.scarpa.com
IV. GAMASCHEN
Gamaschen sollten mit einem Zipp oder Klettverschluss öffen-/schließbar sein, damit man sie jederzeit an- und ausziehen kann. Wichtig ist auch ein Riemen, der unter der Schuhsohle durchgeht und ein nach oben rutschen verhindert. Das bieten etwa:
VAUDE – Albona II. Gamaschen € 40,– | Watzmann III Gamaschen € 55,–
www.vaude.com
BLACK DIAMOND – Cirque Gaiters € 60,–
www.blackdiamondequipment.com
V. RUCKSÄCKE
Grundsätzlich kann man jeden Rucksack auch fürs Schneeschuhwandern verwenden. Ratsam ist ein bequemes, direkt am Rücken aufliegendes Tragesystem. Zentral ist ein Modell zu wählen, das außen sehr robust (Schnee/Wasser und Zacken von Schneeschuhen) und groß genug (ab 25 Liter) ist, damit man die Schneeschuhe gut an der Außenseite (nicht seitlich, der Armbeweglichkeit wegen) fixieren kann. Ein extra Fach für die Sicherheitsausrüstung ist von Vorteil. Im Test top waren:
DEUTER – Freescape Lite 26 (24 SL) € 190,– | Rise 34+ (32+ SL) € 200,–
www.deuter.com
BCA – Stash 35 Backpack € 190,–
www.backcountryaccess.com
VI. STÖCKE
Ohne längenverstellbare Stöcke, ob Teleskopmodelle (2- oder 3-teilig) oder Faltstöcke, aus Alu oder Carbon, mit nach unten verlängertem Griff und großen Schneetellern sollte man nicht auf Schneeschuhen unterwegs sein. Sehr bewährt haben sich:
LEKI – Guide 3 € 150,–
www.leki.com
KOMPERDELL – Big Art Carbon Vario (green oder pink) € 159,95
www.komperdell.com
VII. SPORTBRILLEN
Für den Sonnen-, Wind- und Blendschutz der Augen ist eine Sportbrille mit Anti-Beschlag-Beschichtung und Vario-Gläsern, die sich der Helligkeit anpassen, empfehlenswert. Bestens für Schneeschuhtouren geeignet ist das superleichte (25 Gramm), sehr gut sitzende, neue Modell Faster (in zwei Größen M und L verfügbar) von Julbo. Zur Wahl stehen drei Reactive-Scheiben (0 bzw. 1 bis 3) teils mit High-Contrast-Filter und der Möglichkeit zur Fehlsichtigkeitskorrektur einen optischen Clip zu integrieren.
JULBO – Faster L Reactive € 214,90
www.julbo.com
VIII. SOFTSHELL-KLEIDUNG
Atmungsaktiv, trotzdem aber winddicht und verlässlich wasserabweisend sollte die äußere Bekleidungsschicht bei Schneeschuh-Touren sein. Das ideale Material, außer es schneit stark bzw. regnet, sind stretchige Softshell-Teile, wie solche aus dem neuen Airblocc 3-Lagen-Softshell-Material von Löffler. Dieses „grüne“, zu 100 Prozent recycelbare, in Europa produzierte Material wird u.a. zu Jacken (mit/ohne Kapuze), Westen und Hosen für Damen und Herren verarbeitet, die sich bestens für Schneeschuh-Abenteuer eignen.
LÖFFLER – Hooded Jacket North AB Light € 229,99 | Jacket Farido CF AB Light € 239,99 | Vest AB Light € 149,99 | Pants Elegance AB Light € 169,99
www.loeffler.at
IX. HANDSCHUHE
Handschuhe gehören zur Standardausrüstung – um die Hände zu wärmen, aber auch um sie, wenn man einmal stürzen sollte, zu schützen. Eine praktische, wohlig warme Innovation sind per Heat-Pads (sie wärmen bis zu 12 Stunden lang) beheizbare Handschuhe. Die Pads können bei zahlreichen Zanier-Handschuhen, auch bei dünnen Merino-Unterzieh-Modellen, am Handrücken platziert werden und wärmen von dort ausgehend die ganze Hand.
ZANIER – Heat Pads Outdoor.WS € 59,99 | Heat Pads Merino Liner Touch € 29,99 | Hand Warmer Heat Pads (10 Stück) € 30,–
www.zanier.com
WICHTIGES & PRAKTISCHES
X. KOPFBEDECKUNG
Eine winddichte, atmungsaktive Haube bzw. ein solches Stirnband sind fixer Bestandteil der Ausrüstung beim Schneeschuhwandern. Angenehm zu tragen, winddicht, Schweiß abtransportierend und gut wärmend ohne zu überhitzen sind das Palü Stirnband und die gleichnamige Mütze.
SKINFIT – Palü Mütze € 50,– | Palü Stirnband € 35,–
www.skinfit.eu
XI. ISOLATIONS-TRINKFLASCHEN & ESSENSBOXEN
Warme Getränke und Kraft gebendes, warmes Essen sind bei längeren (Schneeschuh-) Touren wichtig. Als isolierte Trinkflaschen in verschiedenen Größen haben sich Modelle mit absolut dichtem Trinkhalmdeckel ebenso wie isolierte Essensbehälter für Porridge, Suppe usw. die es in zwei Größen gibt – beide von Yeti – sehr bewährt.
YETI – Rambler mit Trinkhalmdeckel (532 ml bzw. 769 ml) ab € 35,– | Isolierte Essensbehälter (236 ml bzw. 473 ml) ab € 40,–
www.yeti.com
XII. SITZKISSEN
Um im Winter kältegeschützt und trocken rasten zu können, braucht es ein Sitzkissen. Es sollte wasserdicht, weich, klein packbar und groß genug, um bequem sitzen zu können, sein.
RELAGS – Origin Outdoors gepolstertes Sitzkissen „Thermo-Seat“ € 7,95
www.relags.de
XIII. POWERBANK
Kälte setzt dem Smartphone-Akku zu, selbst wenn man es warm hält. Um verlässlich die ganze Tour über auf das Handy zurückgreifen zu können, sollte man eine Powerbank mit dabei haben – etwa dieses leistungsfähige, leichte Modell:
RELAGS – Origin Outdoors Powerbank „Kompakt“ € 19,95
www.relags.de
IVX. MULTITOOL
Ein Mindestmaß an Werkzeug, am besten in Form eines Multitools im Rucksack zu haben, ist, etwa falls am Schneeschuh etwas zu reparieren ist, ratsam.
RELAGS – Origin Outdoors Multitool „Master Duty“ € 39,95
www.relags.de


















































































